Donnerstag, 7. April 2022

Johann Hinrich Claussen und "Die Sprache der Stille: Haiku"

Am Montag, den 4. April 2022, bereitete Johann Hinrich Claussen* dem Hamburger Künstler und Gestalter Patrick Gabler im Gespräch die Bühne um über dessen Haikus samt Holzdruckschnitte zu sprechen.

Darüber hinaus machte Pastor Claussen zusammen mit dem Pfarrer Ulrich Lilie* ein neues Buch Für sich sein. Ein Atlas der Einsamkeiten. Daraus stellt Herr Claussen exklusiv einen Auszug im FELIX-JUD-BLOG vor:


"Es gibt ein menschliches Grundbedürfnis nach Stille, die Sehnsucht, sich von allem menschlichen Lärm und Gedränge zu lösen, das Glück, in einem Augenblick der Ruhe ganz da zu sein.


        Nichts als die Stille!

        Tief in den Felsen sich gräbt

        Schrei der Zikaden.


248 Seiten, 18 Euro

Doch wer die Stille finden und genießen will, braucht eine Sprache für sie. Das ist kein Widerspruch. Denn wie sonst sollte man sich ihrer bewusst werden, ein inneres Bild von ihr gewinnen? Dazu taugt die grobe, laute und eilige Sprache des Alltags offenkundig nicht. Zum Glück gibt es den Haiku. Er konzentriert sich auf eine konkrete Anschauung der Natur: eine Pflanze, Tages- oder Jahreszeit, ein Tier, Duft oder Geräusch. Dies wird aber nicht ausführlich beschrieben oder poetisch ausgemalt, sondern nur aufgerufen. Der Haiku ist konsequenter Kürze, absoluter Nichtgeschwätzigkeit verpflichtet. Er besteht aus lediglich drei Wortgruppen, die zudem häufig in der Anzahl der Silben oder Wortlaute begrenzt sind: 5 – 7 – 5. Doch diese Zahlen sind nicht so wichtig. Entscheidend ist das konkrete „Ding“ und das Vertrauen, dass seine bloße Nennung genügt, um beim Leser Bilder, Erinnerungen, Stimmungen und Atmosphären lebendig werden zu lassen. So werden die Haiku beim Lesen, Auswendiglernen und Nachsprechen weitergeschrieben. So kurz sie sich fassen, so tief kann man sich in ihnen versenken, so lange in ihnen verweilen.

Das Ich, das im Haiku auftritt, ist keine einzelne Person, kein individueller Autor. Wie in den Psalmen des Alten Testaments ist das Ich auch hier die Tür, durch die man als Leser in die Verse hineingehen gehen, um sie sich zu eigen zu machen. Wer ein Haku liest, langsam und mehrfach, nimmt weniger einen Text zur Kenntnis, als dass er sich von ihm in eine meditative Besinnung über eine Erscheinung der Natur führen lässt, in der sich sein innerstes Selbst spiegelt.


        Traurigkeit in mir,

        einsam ist es geworden – 

        der Ruf des Kuckucks.


So in sich versunken ein Haiku erscheint, ist er dennoch ein stilles Gespräch und auf andere Menschen bezogen, die ihn jeweils für sich lesen, ihm nachfolgen auf einem Weg zu den Wurzeln des Seins. Selbst als Europäer des 21. Jahrhunderts kann man sich von einem klassischen japanischen Haiku anrühren lassen. Natürlich geht in der Übersetzung von einer Sprache, Kultur und Epoche zur anderen vieles verloren: der Klang und die Bedeutungsnuancen der Wörter, die Fülle der möglichen Assoziationen, die Einbettung in ein kulturelles Leben, nicht zuletzt das Schriftbild – der leichte Schwung der getuschten Zeichen und ihre vertikale Anordnung. Aber was die Übertragung überlebt, genügt auch heute noch, um sonst so gehetzte, zerstreute Menschen für einen Moment in die Stille zu führen.

Das zeigen zum Beispiel die hier vorgestellten Haiku von Matsuo Bashō (1644 bis 1694), dem wohl berühmtesten Haiku-Dichter. Er lebte in einer gänzlich anderen Welt: Aus einer Samurai-Familie stammend, hatte er sich entschieden, kein Krieger zu werden, sondern sich als buddhistischer Mönch und Pilger ganz der geistlichen Dichtung zu widmen. Es gibt in den asiatischen Hochkulturen, vor allem Japans und Chinas, eine lange Tradition eines solchen Rückzugs aus dem politischen und militärischen Leben in eine arme, aber künstlerisch erfüllte Abgeschiedenheit. Neben vielen Gedichten zeugen ungezählte Landschaftsbilder davon. Dieser Rückzug hat allerdings wenig Beschauliches, oft war er die Folge politischer Umwälzungen und Katastrophen, eine erzwungene Flucht in die Einsamkeit.

Bashōs Verse sind nicht in den engen Grenzen einer bestimmten Sprache, literarischen Tradition, religiösen Kultur oder politischen Situation gefangen geblieben, sondern weit in die Welt hinausgezogen und haben viele, auch moderne Dichter Europas oder Nordamerikas inspiriert, eigene Haiku zu verfassen. Vor allem aber können sie immer noch Menschen, ob künstlerisch begabt oder auch nicht, ob buddhistisch oder christlich – sogar die, die sich selbst als nicht-religiös bezeichnen würden –, dazu bringen, sich auf etwas Schönes und Wesentliches zu konzentrieren, aufmerksam zu werden für das Leben selbst, ruhig und wach zugleich, einfach da zu sein, ganz bei sich und über sich selbst hinaus. Und auf einmal fehlt nichts mehr.


        Einsamkeit. Niemand

        Will zu mir kommen, nur ein

        Blatt vom Kiribaum."


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*Johann Hinrich Claussen, geboren 1964 in Hamburg, Studium der Evangelischen Theologie in Tübingen, Hamburg und London, anschließend Promotion und Habilitation in Systematischer Theologie. Publizistische Arbeiten zu kulturtheologischen Themen für deutsche Zeitungen, Zeitschriften und Radioprogramme. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, zum Beispiel über die Geschichte des Kirchbaus und der Kirchenmusik. Nach Stationen als Pastor, dann als Propst und Hauptpastor in Hamburg, ist Dr. Johann Hinrich Claussen seit dem 1. Februar 2016 Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


*Pfarrer Ulrich Lilie, geboren 1957, ist seit 2014 Präsident der Diakonie Deutschland, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung und seit 2021 Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW). 2011 bis 2014 war er Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung Düsseldorf. Bis 2011 arbeitete er unter anderem als Krankenhausseelsorger und Gemeindepfarrer mit dem Zusatzauftrag der Leitung und Seelsorge im Hospiz am Evangelischen Krankenhaus. Vier Jahre versah er außerdem das Amt des Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorfs. Lilie studierte als Stipendiat des Evangelischen Studienwerks Villigst evangelische Theologie an den Universitäten Bonn, Göttingen und Hamburg und wurde 1989 zum Pfarrer ordiniert.

Freitag, 25. März 2022

Ernst Jünger und die Abwicklung des postheroischen Mannes

Der russische Krieg gegen die Ukraine lässt uns erschrocken zurück. Und wir staunen, wie schnell sich manche, als sicher geglaubte politische Haltung in ihr Gegenteil verkehrte. Als KZ-Häftling hat sich unser Firmengründer Felix Jud (1899-1985) stets um Friedensbelange gekümmert. Er gehörte u.a. der Jury des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an. Nun herrscht Krieg in Europa. Es gibt einen klaren Angreifer und Feind. Was hätte man vorher tun können? Die Politik? Wir? 

In einer Buchhandlung wie Felix Jud laufen viele Stränge des geistigen und politischen Lebens zusammen: Als Celebrity und Weltstar-Boxer war Vitaly Klitschko 2001 bei uns zu Gast. Nun ist er eine Figur, wie aus einem Film, ein Kraftmensch, ein für seine Nation kämpfender Heroe. Und der mit unserer Buchhandlung verbundene ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi vertritt in der Frage nach den Kriegsgründen einen anders justierten Blick als die Mehrheit.

Das Bedürfnis nach Gespräch ist da und so veranstalteten wir am 17. März einen offenen Gesprächsabend zur aktuellen Lage. Wir stellten literarische Titel und Sachbücher zur Thematik vor. Der Journalist Daniel Haas hielt einen Vortrag, der im Anschluss, unter anderem mit reger Beteiligung des aus Berlin angereisten Journalisten Alexander von Schönburg, lebendig von allen Anwesenden diskutiert wurde. Der aktuelle Krieg ist für Daniel Haas nicht nur eine politische Zäsur sondern auch eine kulturelle Denkwende. Gelten alte Kategorien von links und rechts noch? Wäre nicht Ernst Jünger, hätte er noch einmal 100 Jahre gelebt, heute ein Linker? 

Wir danken Daniel Haas sehr für seinen Input und die Genehmigung seinen Text hier exklusiv veröffentlichen zu dürfen. 


Bücher zu den schrecklichen Geschehnissen und zur ukrainischen wie russischen Kultur und Politik finden Sie bei uns am Neuen Wall. In einer Spendenbox werden Münzen und Scheine gesammelt, die an den Malteser Hilfsdienst weitergereicht werden.


Foto: die jugendlichen Klitschko-Brüder in der Ukraine – jetzt Freiheitshelden des Westens

Vortrag von Daniel Haas

Eine Frage an die Kulturkritik: Wie wird die ästhetische Sphäre auf die aktuelle Lage in Europa reagieren? Beziehungsweise: Gab es ästhetisch verfasste Vorboten dieses Krieges, der neben einer politischen Neujustierung Westeuropas auch einen gesellschaftlichen Kulturwandel zur Folge haben wird?

Die Kunst als Kassandra, als Diagnostikerin, die avant la lettre die Verhältnisse einem breiteren Verstehen zugänglich macht, das ist ein alter Topos. Der 2014 verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher hat historisch gewordene Texte gern in dieser Hinsicht intellektuell bewirtschaftet. So las er beispielsweise Thomas Mann und projizierte zu Beginn der nuller Jahre dessen Kritik der bürgerlichen Welt auf eine Gegenwart, die ihrerseits Probleme mit der Idee von Bürgerlichkeit bekommen hatte. 

Ich möchte dieses Verfahren anwenden und einen Künstler zu Rate ziehen, dessen ästhetische Praxis meiner Ansicht nach einiges klarstellen kann, wenn es um das Begreifen der aktuellen Lage geht.

Mit aktueller Lage meine ich vor allem die Abwicklung des postheroischen Subjekts. In den Bombenkellern von Kiew ist die linksliberale Idee von einer ewig pazifistischen Staats- und Kulturräson an ihr sehr schmerzhaftes Ende gelangt. 

Putin zwingt uns, Abschied zu nehmen von der Idee, das wehrhafte Subjekt sei einer Sache für Freunde der Militärgeschichte oder Fans antiker Männlichkeitsideale aus dem Geiste Roms und Spartas. 

Einhundert Milliarden Euro für die Aufrüstung eines Landes, das sich qua Geschichte eigentlich für eine tausend Jahre währende Regentschaft grün-woker Liberaler qualifiziert hatte, das ist schon was. 

Für mich, der es wenigstens zum Obergefreiten der Luftwaffe gebracht hat, ist es jedenfalls spooky, um ein neudeutsches Modewort zu gebrauchen, wenn ich mir vorstelle, am Radarschirm russische Kampfjets im deutschen Luftraum zu markieren, die in der Folge von deutschen Kampfjets bestenfalls aus dem hiesigen Hoheitsgebiet hinausbegleitet, schlimmstenfalls aber angegriffen werden.

Die Medien haben die kulturkämpferischen Signale – denn das ist es, was uns meiner Meinung nach ins europäische Haus steht: ein sich noch weiter zuspitzender Kulturkampf – die Medien haben dieses Signale nicht nur registriert, sondern ihrerseits verstärkt und versilbert. Selenskij und die Klitschko-Brüder werden so offen als Helden ausgewiesen wie weiland Stauffenberg oder Elser. Das geht in Ordnung. Man braucht Mut, Schneid, eine gewisse Todes- und Leidensverachtung sogar, wenn man sich als schwer reicher, eigentlich im sicheren Ausland lebender ukrainischer Spitzensportler zurück nach Kiew begibt, um dort eventuell das Zünglein an der wild kippelnden Weltwaage zu sein. 

Ernst Jünger, der mit 17 zur Fremdenlegion abhaute, um dann von seinem Vater mit einiger Mühe zurückgeholt zu werden, hätte das sofort verstanden. Und deshalb möchte ich Jünger als jenen Gewährsmann für ein der Zeit angemessenes Denken in Anspruch nehmen, von dem ich eingangs gesprochen habe.

An welcher Stelle in seinem Werk berichtet uns dieser Autor also von unserer postheroischen Gegenwart? Welcher Text ist geeignet, uns die Signatur des katastrophalen, verwirrenden Jetzt wenigstens ansatzweise aufzuschlüsseln?

Es ist ein Capriccio aus dem „Abenteuerlichen Herzen“. Das Stück findet sich nicht in der Ersten Fassung, die Klett Cotta dankenswerter Weise sogar als Taschenbuch zugänglich gemacht hat. 

Die Erste Fassung des Abenteuerlichen Herzens ist übrigens, wie mir beim Wiederlesen klar wurde, ein politisch so brutaler Text, ein selbst gegen die eigenen intellektuellen und moralischen Schwächen des Autors so gnadenlos verfahrendes Stück Weltliteratur, dass einem mulmig werden kann. Wenn so ein bis an die Schmerzgrenze des Nihilsmus aufgeklärter Konservatismus zu klingen hat, dann müssen wir uns alle sehr warm anziehen (ein Tweed-Sakko und ein Lodenmantel werden nicht reichen).

Der Text, den ich meine, hat den lakonischen Titel: 

Das Entsetzen

„Es gibt eine Art von dünnem und großflächigem Blech, mittels dessen man an kleinen Theatern den Donner vorzutäuschen pflegt. Sehr viele solcher Bleche, noch dünner und klangfähiger, denke ich mir in regelmäßigen Abständen 
übereinander angebracht, gleich Blättern eines Buches, die jedoch nicht gepreßt liegen, sondern durch eine sperrige Vorrichtung voneinander entfernt gehalten sind. 

Auf das oberste Blatt dieses gewaltigen Stoßes hebe ich dich empor, und sowie das Gewicht deines Körpers es berührt, reißt es krachend entzwei. Du stürzt, und stürzest auf das zweite Blatt, das ebenfalls und mit heftigerem Knalle zerbirst. Der Sturz trifft auf das dritte, vierte und fünfte Blatt und so fort, und die Steigerung des Falles läßt die Schläge in einer Beschleunigung aufeinanderfolgen, die einem an Tempo und Heftigkeit anwachsenden Trommelwirbel gleicht. 

Immer noch rasender werden Fall und Wirbel, in einen mächtig rollenden Donner sich verwandelnd, der endlich die  Grenzen des Bewußtseins sprengt. 

So pflegt das Entsetzen den Menschen zu vergewaltigen - das Entsetzen, das etwas ganz anderes ist als das Grauen, die Angst oder die Furcht. Eher ist es schon dem Grausen verwandt, das das Gesicht der Gorgo mit gesträubtem Haar und zum Schrei geöffnetem Munde erkennt, wahrend das Grauen das Unheimliche mehr ahnt als sieht, aber gerade deshalb von ihm mit mächtigerem Griff gefesselt wird. Die Furcht ist noch von der Grenze entfernt und darf mit der 
Hoffnung Zwiesprach halten, und der Schreck — ja, der Schreck ist das, was empfunden wird, wenn das oberste Blatt zerreißt. Und dann, im tödlichen Sturze, steigern sich die grellen Paukenschläge und roten Glühlichter, nicht mehr als Warnungen, sondern als schreckliche Bestätigungen, bis zum Entsetzlichen. 

Ahnst du, was vorgeht in jenem Raume, den wir vielleicht eines Tages durchstürzen werden und der sich zwischen der Erkenntnis des Unterganges und dem Untergang erstreckt?“

Ich glaube, dass das postheroische Subjekt in die Phase dieses von Jünger präzise beschriebenen Entsetzens eingetreten ist. Ich denke, dass Klitschko solch ein entsetztes Bewusstsein von der Lage haben muss, um die Stahlgewitter von Kiew zu ertragen. Ob sie sich überstehen lassen, auch diese Frage kann ohne ein Know-how des Entsetzens nicht angemessen gestellt werden.

Die Weltlage, ganz konkret Putin, haben uns auf das oberste Blech emporgehoben. Die ersten Bomben, die auf Kiew fielen, haben den Donnerwirbel eingeleitet, der uns nun täglich in allen Medien umbraust.

Die Gorgo eines dritten Weltkriegs hat ihr Maul bereits zum Schrei geöffnet, und wie Perseus, der das Monstrum nur indirekt, im Blick auf seinen spiegelnden Schild, zu fassen bekommt, suchen wir nach der indirekten, diplomatischen Lösung.

Dem abgeschlagenen Haupt der Gorgo Medusa entspringt der Pegasus, das Wappentier der Kunst. „Das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang“ wird Rilke später dichten. Das Schöne, dass den Schrecken dieses europäischen Krieges entspringt, was soll das sein? Eine neue pazifistische Weltordnung, in der Russen, Amerikaner, Chinesen und Europäer gemeinsam Eckart Tolle lesen und vegane Ernährung zum Klassenziel einer aufgeklärten bürgerlichen Existenz erklären? Ich glaube das nicht. Und Jünger hätte es wohl auch nicht geglaubt.

Bemerkenswerterweise glauben es auch die Kids und Jugendlichen nicht, die sich täglich mit Gangsta Rap beschallen, mit einer Hingabe, die dem Genre die größten Streaming- und Verkaufszahlen aller Popgenres beschert. Bushido, Fler, Haftbefehl, Kollegah: alles Männer, die vom linksliberalen Zeitgeist so viel halten wie ein Redneck von der Homoehe. 

Wenn auch für moderne Gemeinschaften gilt, was Freud erklärt hat, dass nämlich das Verdrängte wiederkehrt, dann ist die Begeisterung der Mittelschichtsjugend, (und der migrantischen Jugendlichen) für diesen derben, alle Rollenklischees rearrangierenden HipHop ein sicheres Indiz dafür, dass das genderfluide, auf Achtsamkeit geeichte, Grün wählende und empfindende Subjekt nicht die ultima ratio gesellschaftlichen Handelns darstellt.

Wovor ich tatsächlich Angst habe: Dass wir bereits jenen Raum durchstürzen, „der sich zwischen der Erkenntnis des Unterganges und dem Untergang erstreckt“. Sie mögen mir dies als apokalyptisch verzerrtes Bewusstsein auslegen, womöglich als intellektuellen Narzissmus, der sich freut, seine dekadenten Ideen von „Verfeinerung, Abstieg und Trauer“, diese Trias stammt von Benn, dem alten Verfallspoeten, diesen dekadenten Akkord genüsslich anzuschlagen. 

Aber das oberste Blech ist zerrissen, und selbst wenn wir uns heute noch in der Phase des Schrecks, wie Jünger ihn darstellt, befinden sollten - das Entsetzen macht sich breit. 

Womöglich war es immer schon da, als Bewusstsein der politischen Linken, die nicht müde werden uns zu sagen, wir sollen aufhören mit der Klimazerstörung, mit der kapitalistischen Ausbeutung. Womöglich aktualisiert es sich in den Kundgebungen und Aufmärschen der Fridays-For-Future-Kids, mit ihrem Pathos, das so naiv und aufdringlich wirkt, dass man leicht vergessen kann, dass sie die Wissenschaft auf ihrer Seite haben. Wir stürzen dem Untergang entgegen, das ist ein Faktum, nicht fake news.

Vielleicht wäre Ernst Jünger ein Linker geworden, hätte er nochmal 100 Jahre zu leben gehabt. Schirrmacher verabschiedete sich offiziell in der FAZ von den Konservativen. Lorenz Jäger, lange der Vorzeige-Rechte der konservativen Intelligenz, ebenfalls. Im FAZ-Feuilleton ist einer der markantesten Kulturkritiker heute ein Marxist namens Dietmar Dath. Jünger, so meine Vermutung, hätte lieber mit Dath diskutiert als mit Götz Kubitschek. 

„Ein Mensch von Rang sollte sich lieber in böse als in schlechte Gesellschaft begeben, weil Rang und Wert nur in der tragischen, nicht aber in der sozialen Welt zusammenfallen, in der vielmehr die Zahl die Rolle des Wertes übernimmt.“
So schreibt Jünger im Jahr 1929 in der Ersten Fassung des „Abenteuerlichen Herzens“.

Die tragische Welt ist die des Helden, jenes Akteurs, der die postheroische Phase zu beenden scheint. Wer sind die Bösen, deren Gegenwart der ranghohe Mensch nun aufzusuchen hat? Ist es Putin, der redliche Irre, dessen ideologisches Projekt im Zivilisationsbruch enden könnte? Oder ist es für uns Konservative der linke Sozialist Bernie Sanders mit seinen radikalen Umverteilungsplänen, ein ordentlicher Gegner, wie Schmitt gesagt hätte, denn der Sozialist ist für den Konservativen „die Frage nach dem Eigenen als Gestalt“?

Ich möchte lieber mit Sanders zu Abend essen als mit Putin, ganz klar. Mit Jünger kann ich nur noch durch seine Texte kommunizieren. Das Zwiegespräch mit Ernst Jünger sollte nicht aufhören, woker Zeitgeist hin oder her. Das postheroische und auch das heroische Subjekt, sie können von einer Aussprache mit diesem Autor nur profitieren.

Dienstag, 25. Januar 2022

Praktikantin Alisa Schönfelder, Gymnasium Hochrad, empfiehlt:

Das Mädchen im blauen Mantel

Dieses Buch erzählt von der Jugendlichen Hanneke in Amsterdam, die während des Zweiten Weltkriegs durch Handel mit Schwarzmarktwaren ihre Eltern und sich durchbringt. Doch eines Tages lässt sie sich auf eine gefährliche Mission ein und begibt sich auf die Suche nach einem vermissten jüdischen Mädchen.

Im Laufe ihres Abenteuers, auf der Suche nach der Verschollenen, erfährt sie, wie ihre Mitmenschen leben und rebellieren. Dadurch ist sie gezwungen, sich endlich ihrer bedrückenden Vergangenheit zu stellen.

379 Seiten, 16 Euro

Das Buch zieht besonders Jugendliche in den Bann, denn man erfährt beim Lesen hautnah vom Überleben im Zweiten Weltkrieg. Die vielschichtigen Charaktere entwickeln einen Sog, welcher die Leser förmlich in die Geschichte hineinzieht. Die Hauptfigur Hanneke liefert ihrer Leserschaft eine Identifikationsfigur.

 Ein junges Leben sollte viel Zukunft vor sich haben; im Krieg jedoch weiß man nicht, ob man noch den nächsten Tag erlebt. Die ungewisse Zukunft ist für uns fern, sowie eine alltägliche Selbstverständlichkeit. Das Kriegsjahr 1942 ist ein denkbar starker Kontrast zu manch gegenwärtigen Selbstverständlichkeiten. Hesses packendes Buch versteht es sich sein eigenes Leben mit dem Leben einer Gleichaltrigen im Krieg zu vergleichen. Einerseits fühlt man sich mit den Erfahrungen der Schulzeit verbunden, anderseits zerstören die Kriegsumstände Freundschaften, Laufbahnen und Gewissheiten. Man lernt in der Schule die Todesgefahr im wahrsten Sinne des Wortes hautnah kennen. Diese Auseinandersetzung ist wirklich ein nachhaltiger Perspektivgewinn.

 Alisa Schönfelder

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Samstag, 4. Dezember 2021

Die Weiße Rose Hamburg

Die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung veröffentlichte jüngst einen Band mit drei Reden von Peter Fischer-Appelt über die Weiße Rose Hamburg. Wir haben mit Dr. Ekkehard Nümann, Vorsitzender der Stiftung und Herausgeber des Buches gesprochen. 

Robert Eberhardt: Die Weiße Rose wird zumeist mit den Widerstandskämpfern in München assoziiert. Was verband die Geschwister Scholl und die anderen antifaschistischen Helden mit Hamburg? 

Ekkehard Nümann: In der deprimierenden Geschichte der „Selbstgleichschaltung“ der deutschen Universitäten im „Dritten Reich“ ist der unter dem Kürzel der „Weißen Rose“ bekannte studentische Widerstand an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu Recht seit langem international anerkannt. Die Literatur über die Geschwister Hans und Sophie Scholl und ihre Kommilitonen sowie den Professor Kurt Huber ist kaum überschaubar. Immer noch wenig bekannt ist jedoch, dass es aus diesem Kreis und seinem Umfeld mehrfache Beziehungen zu Hamburg gab, vor allem zu einigen Studierenden der hiesigen Universität. Diesen Beziehungen, begründet zumeist in gemeinsamer Schul- und Studienzeit, in einem Einzelfall auch 1940 in einem Kraterloch an der „Westfront“, nachzuspüren, lohnt sich.

Dass die Hamburger Kommilitoninnen und Kommilitonen dabei eine eher nachvollziehende Rolle gespielt haben, ist unbestritten. Ebenso eindeutig sollte allerdings die Achtung gegenüber ihrer Bereitschaft sein, für die Botschaft aus München sowie ihre jeweils eigenen Überzeugungen auch durch Akte des konkreten Widerstands gegen die allgegenwärtige Diktatur im Wissen um die Gefahr ihr Leben zu riskieren. Mit dem „Helden“-Begriff sollten wir allerdings vorsichtig sein. Nur durch glückliche Umstände ist ihnen der Münchener Blutzoll erspart geblieben. Leider gilt dies nicht für den Studenten der Chemie Hans Konrad Leipelt, neben der heute im Alter von 102 Jahren bewusst in den USA lebenden Traute Lafrenz das zentrale Bindeglied zwischen dem Münchener „Stamm“ und dem Hamburger „Zweig“ der Weißen Rose.

100 Seiten, 12 Euro


Eberhardt: Der Band erschien anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Leipelt am 18. Juli 2021. Wer war dieser Student, den die Nazis im Alter von 23 Jahren hinrichteten?

Nümann: 1921 in Wien geboren, absolvierte Hans Leipelt nach dem Abitur in Hamburg zunächst den Arbeitsdienst, anschließend leistete er den Wehrdienst ab. Im August 1940 wurde er aus der Wehrmacht entlassen, weil seine Mutter nach den nationalsozialistischen „Nürnberger Rassegesetzen“ als Jüdin galt. Sein Vater konnte ihm jedoch einen Studienplatz für Chemie an der Hamburger Universität verschaffen. Dort bildete sich bald ein Kreis von oppositionell eingestellten Freunden um ihn. Im Winter 1941/42 wechselte Hans Leipelt nach München an das weithin bekannte Chemische Institut von Professor Heinrich Wieland, der mehrfach rassisch Verfolgten half. Die Nachricht von der Hinrichtung der Geschwister Scholl und Christoph Probsts trieb Hans Leipelt und seine Freundin Marie-Luise Jahn zum aktiven Widerstand. Weil sie sich ganz der Weißen Rose verpflichtet fühlten, schreiben sie das letzte Flugblatt ab, verbreiteten es auch außerhalb Münchens und wurden so zum wichtigsten Bindeglied zwischen ihrem Münchener „Stamm“ und dem Hamburger „Zweig“. Hans Leipelt wurde am 8. Oktober 1943 in München festgenommen, aber erst am 13. Oktober 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 im Strafgefängnis München-Stadelheim ermordet. Marie-Luise Jahn wurde vom Volksgerichtshof zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt und am 29. April 1945 aus dem Zuchthaus Aichach befreit.



Felix Jud (1899-1985) hatte Kontakt zu verschiedenen Widerstandsgruppen. Seine Buchhandlung diente einigen als Treffpunkt. In den Schaufenstern und in der Buchhandlung äußerte er Kritik am NS-Regime. Er wurde im Polizeigefängnis  Fuhlsbüttel und im KZ Neuengamme inhaftiert.  


Eberhardt: Den studentischen Widerstand gegen den Naziterror kann man gar nicht ausreichend genug vermitteln, würdigen und im Denken bewusst halten. Was denken Sie: Könnten wir in Hamburg nicht noch an mehr Orten, deutlicher und öfter an diese mutigen Menschen erinnern? Bei Felix Jud möchten wir in Zukunft zum Beispiel permanent auch die Lebensgeschichte unseres Firmengründers und seines Widerstandes gegen die Nationalsozialisten darstellen und ehren. 

Nümann: Gewiss könnte und sollte „man“, sowohl die Stadt als auch ihre vorrangig betroffenen Institutionen, ernsthaft, aber behutsam überlegen, welche Beiträge sie noch zur Verankerung dieser Menschen in der städtischen Erinnerungskultur leisten könnten. Dabei sollten wir allerdings, bevor wir uns auf vermeintliche „Leerstellen“ stürzen, berücksichtigen, was bisher seit den 1970er Jahren geschaffen worden ist. 

In der Universität Hamburg existieren neben der bronzenen Gedenktafel von Fritz Fleer im Audimax vom September 1971 seit April 2010 die von ihren Mitgliedern durch Spenden bezahlten Stolpersteine vor dem Hauptgebäude in der Edmund-Siemers-Allee, im dortigen Universitätsmuseum seit Herbst 2019 immerhin ein knapper Hinweis. Im UKE wurde im Dezember 1987 ein Praktikumsgebäude nach den beiden Kandidaten der Medizin Margaretha Rothe und Friedrich Geussenhainer in „Rothe-Geussenhainer-Haus“ benannt und mit einer Gedenktafel versehen. Derzeit laufen in mehreren Fakultäten Diskussionen um die künftige Benennung von Hörsälen. Es ist wahrscheinlich, dass es in der Chemie einen „Hans Leipelt-Hörsaal“ geben wird, im „Philosophenturm“ am Von-Melle-Park nach seiner Renovierung hoffentlich auch einen „Karl Ludwig Schneider-Hörsaal“. Auf studentische Initiative hat das Studierendenwerk Hamburg zum Dezember 2016 die zuvor nach dem Chirurgie-Ordinarius Paul Sudeck benannte Wohnanlage am Stadtpark nach ihrer Grundsanierung in „Margaretha-Rothe-Haus“ umbenannt.

In der Innenstadt erinnert eine von der Kulturbehörde initiierte „Schwarze Tafel“ seit September 1987 am Jungfernstieg 50 – dem Ort der einstigen Buchhandlung „Agentur des Rauhen Hauses“ –an deren Juniorchef stud. phil. Reinhold Meyer sowie die anderen (nicht nur studentischen) Todesopfer der „Hamburger Weißen Rose“. 

In HH-Rotherbaum liegt vor der Wohnung der Familie Meyer (später Anneliese Tuchels) am Hallerplatz 15 ein Stolperstein für Reinhold Meyer, vor der Johnsallee 63 ein solcher für Friedrich Geussenhainer.

Angeregt durch Recherchen von Schüler*innen des Gymnasiums Ohmoor waren bereits 1984 in HH-Niendorf in einem Neubaugebiet elf Straßen nach oppositionellen Frauen und Männern benannt worden, unter ihnen drei aus dem Kreis der „Hamburger Weißen Rose“: neben Curt Ledien die Studierenden Reinhold Meyer und Margaretha Rothe. Seit 1987 werden die Namen ergänzend „erläutert“ durch das dortige gemauerte Mahnmal „Tisch mit 12 Stühlen“ von Kurt Schütte. 

In HH-Volksdorf erinnert seit 1978 das Mahnmal „Weiße Rose“ von Franz Reckert am bereits 1974 benannten „Weiße-Rose-Platz“ (Im alten Dorfe) an den studentischen Widerstand, zunächst jedoch wohl ausschließlich an den Münchener „Stamm“; eine nicht belegte „Uminterpretation“ auf den Hamburger „Zweig“ erfolgte erst später; sie kann sich anscheinend auf eine dort nachträglich angebrachte Gedenktafel stützen.

In HH-Wilhelmsburg und HH-Harburg wird der Familie Leipelt mehrfach gedacht: Bereits seit 1964 erinnert die Leipeltstraße in Wilhelmsburg zunächst an Hans Leipelt, seit August 2017 durch eine zusätzliche „Erklärtafel“ auch an seine in den Suizid getriebene Mutter Dr. Katharina Leipelt. Die Familie wird anscheinend auch auf einer Tafel im Harburger Rathaus ehrend benannt. Am ersten Harburger Wohnsitz der Familie in der Vogteistraße in HH-Rönneburg wurde 1988 eine Gedenktafel angebracht, die ausdrücklich auch seine Schwester Maria und die Mutter Dr. Katharina Leipelt erwähnt. Seither liegen an den beiden einstigen Wohnorten (dort und in der Mannesallee) auch mehrere Stolpersteine zur Erinnerung an diese beeindruckende Familie. Die heutige Stadtteilschule Wilhelmsburg erinnert seit 1990 am Haupteingang ihres Standorts Rotenhäuser Straße 67 mit einem Porträt und einer Tafel an die einstigen Schüler Hans und Marina Leipelt.

Seit November 1988 tragen die zusammengelegten Schulen Gymnasium Hartzloh und Elise-Averdieck-Gymnasium in HH-Barmbek auf Anregung der Schulkonferenz und Beschluss des Senats den Namen „Margaretha-Rothe-Gymnasium“. In der ehemaligen „Lichtwarkschule“ in HH-Winterhude (der heutigen Heinrich-Hertz-Schule), in der mehrere Zugehörige der „Hamburger Weißen Rose“ prägende Impulse, vor allem von der 1945 mitangeklagten Lehrerin Erna Stahl, erfahren hatten, erinnert seit April 1994 eine Stahltafel auch an Margaretha Rothe; ein Stolperstein liegt vor dem Gymnasium Klosterschule in HH-St. Georg, an welchem sie 1938 ihr Abitur gemacht hat. Nach Erna Stahl heißt seit 2008 der Erna-Stahl-Ring in einem Neubaugebiet im Ortsteil Klein Borstel des Stadtteils HH-Ohlsdorf. Auf dem dortigen Friedhof wird auf dem 2001 angelegten „Garten der Frauen“ in einer „Erinnerungsspirale“ mit einem gemeinsamen Stein auch Erna Stahls und Margaretha Rothes gedacht.

Eberhardt: Vielen Dank für das Gespräch!


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Donnerstag, 16. September 2021

Abgewertet, vergessen und ... wiederentdeckt?!

Nicole Seifert im Gespräch mit Marcus Dahmke über ihr Buch „Frauen Literatur“ und die Übersetzung von Julia Stracheys „Heiteres Wetter zur Hochzeit“

© Sabrina Adeline Nagel

 Dahmke: Liebe Nicole Seifert, für die wenigen, die Sie vielleicht noch nicht kennen sollten: Sie sind promovierte Literaturwissenschaftlerin, gelernte Verlagsbuchhändlerin, ehemalige Lektorin, arbeiten aber seit Langem schon freiberuflich als Autorin und Übersetzerin. Darf ich eine persönliche Frage stellen? Was hat Ihre Liebe zur Literatur und zum Literaturbetrieb damals begründet?   

Seifert: Die Liebe zur Literatur war irgendwie schon immer da. Vielleicht habe ich sie von meinem Vater geerbt, oder sie ist entstanden, als er mir und meiner Schwester vorgelesen hat. Der Wunsch, dann auch in diesem Bereich zu arbeiten, hat sich mit der Zeit geradezu zwangsläufig daraus ergeben, und zum Glück hat das auch geklappt.

Dahmke: Seit einigen Jahren schreiben Sie den NachtundTag.Blog, der 2019 als „Bester Buchblog“ vom Börsenverein des deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden ist. Was ist das Besondere an diesem Literaturblog? 

Seifert: Mit dem Blog widme ich mich fast ausschließlich Autorinnen – solchen, die in Vergessenheit zu geraten drohen oder bereits vergessen sind, aber auch Gegenwartsautorinnen. Ich fand es nicht sinnvoll, auf einem Blog nochmal die Bücher zu besprechen, die sowieso schon überall besprochen werden, und Autorinnen werden vom Feuilleton ja leider nachweislich immer noch vernachlässigt, wie die Rostocker Studie #frauenzählen 2018 bewiesen hat.

Dahmke: Vor einigen Tagen ist ihr erstes Buch bei Kiepenheuer und Witsch erschienen: „Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“. Warum sollte es den Begriff „Frauenliteratur“, der immer noch und dazu meist abwertend benutzt wird, nicht mehr geben?


 Seifert: Den Begriff „Männerliteratur“ gibt es ja auch nicht, obwohl es natürlich genauso Bücher gibt, die Männer zur Zielgruppe haben. Aber Literatur von Männern gilt als DIE Literatur, als das Allgemeine, Gute, Wichtige. Der Begriff „Frauenliteratur“ wird verwendet, um von dieser Literatur abzugrenzen, was Frauen schreiben – als wäre das auch nur für Frauen, nicht wichtig, nichts womit Männer sich beschäftigen müssten. Das geht in der Schule schon los und setzt sich bis ins Feuilleton fort. Ich finde, der Begriff kann weg.

Dahmke: Da schließe ich mich Ihrer Meinung an. Frauen waren und sind im Literaturbetrieb seit Jahrhunderten (oder sollte man sagen seit Jahrtausenden?) unterrepräsentiert. In ihrem Buch suchen Sie Antworten auf die Frage, warum so wenige Autorinnen in den Literaturkanon aufgenommen worden sind u.a. in der Literaturgeschichte. Was für Verdrängungsmechanismen waren am Werk?

Seifert: Das hat viel mit geschlechtsbezogenen Vorurteilen zu tun, die auch im 21. Jahrhundert noch mächtig sind. Eben zum Beispiel mit der Annahme, Männer würden irgendwie die besseren, wichtigeren Bücher schreiben. Was natürlich Quatsch ist, denn literarische Qualität hängt weder am Geschlecht, noch an der Hautfarbe oder an anderen außertextuellen Kriterien. Literarische Qualität hängt nicht mal vom Thema ab, alle Themen sind per se erstmal literaturfähig. Nachdem ich mich so ausführlich mit der Literatur von Frauen und ihrer Rezeption beschäftigt habe, habe ich den Verdacht, dass die Männer, die über Jahrhunderte hinweg die Literaturgeschichten verfasst und einander Ruhm und Ehre zugeschrieben haben, sich für vermeintliche „Frauenthemen“ einfach nicht interessieren. Beziehungsweise: Hätten sie diese Literatur gelesen, hätten sie auch von Ungerechtigkeit und Unterdrückung gelesen. Hätte man diese Literatur ernstgenommen und gelehrt – man hätte sich damit auseinandersetzen müssen, was da drin steht.

Dahmke: Was ist so problematisch an der Aussage vieler Verlage (Verleger): „Wir wählen nach der literarischen Qualität einen Text aus“? Und was für Gegenbeispiele gibt es?

Seifert: Die Aussage „Uns geht es nur um Qualität“ ignoriert, dass wir alle einen gelernten Blick haben. Wir lernen eben schon in der Schule: Was literarisch wertvoll ist, stammt von Männern – von weißen, toten Männern meistens. Dabei ist das falsch. Alle anderen haben auch literarisch wertvolle, interessante, innovative Texte geschrieben. Dieses Gerede von der Qualität ist meist eine vorgeschobene, auch etwas hilflose Behauptung. Wir sind ja schließlich nicht im Edelsteingewerbe, es geht hier nicht um etwas objektiv und eindeutig Nachweisbares. Es geht um Kunst, und da wird Wert zugeschrieben. Und bei dieser Wertzuschreibung spielen Geschlecht und auch Hautfarbe bisher eine viel zu große Rolle. Es wird höchste Zeit, über den Horizont zu gucken, den Blick zu erweitern. Ich finde übrigens auch, dass sich an der Peripherie die viel spannenderen Geschichten finden – insbesondere, nachdem ich selbst jahrzehntelang überwiegend Literatur von Männern gelesen haben, wie wahrscheinlich wir alle.

Dahmke: Frauen Literatur“ ist auch eine wunderbare Fundgrube an Lektüreempfehlungen, man sollte die Lektüre nur mit Stift und Papier beginnen, um sich die vielen inspirierenden Titel notieren zu können. Was für Perlen sind uns so lange entgangen und warum ist der englischsprachige Markt schneller als der Deutsche beim Heben dieser Texte?

Seifert: Das frage ich mich auch. Die deutschen Verlage übersetzen zwar, was in den englischsprachigen Ländern wiederentdeckt wird – und das ist auch sehr schön –, sie scheinen aber noch nicht richtig verstanden zu haben, wieviel es auch bei uns wiederzuentdecken gäbe. Allein aus der Zeit zwischen den Weltkriegen. Der Schöffling Verlag hat mit Gabriele Tergit vorgelegt, eine ganz tolle Autorin, aber es gibt noch so unendlich viel mehr!

Dahmke: Nun sind Sie nicht nur Autorin, sondern auch Übersetzerin. Bei Dörlemann ist vor ein paar Wochen „Heiteres Wetter zur Hochzeit“ von Julia Strachey erschienen, ein Roman der erstmals 1932 publiziert worden ist. Warum war Ihnen das Ausgraben dieser literarischen Perle so wichtig? Und ist das Wetter wirklich so heiter wie der Titel verheißt?

Seifert: Julia Strachey gehörte zum erweiterten Kreis der Bloomsbury Group, eine dieser völlig zu unrecht ganz unbekannten Autorinnen. Heiteres Wetter zur Hochzeit ist eine abgründige Gesellschaftskomödie mit Upstairs-Downstairs-Elementen, very british. Das Wetter ist in Wirklichkeit alles andere als heiter, genau wie die Braut, aber alle tun, als wäre alles in Ordnung – until it isn’t. Diesen schmalen Roman zu übersetzen, war ein großes Vergnügen, ich empfehle ihn sehr.

Dahmke: Und ich meinerseits! Herzlichen Dank, liebe Nicole Seifert, für das Gespräch!


Die besprochenen Bücher FRAUEN LITERATUR - Produkt (buchkatalog.de)Heiteres Wetter zur Hochzeit - Produkt (buchkatalog.de) und auch die Texte von Gabriele Tergit können Sie bequem über unseren Webshop bestellen oder vor Ort am Neuen Wall abholen. Sprechen Sie uns gerne für weitere Empfehlungen an!

Montag, 6. September 2021

Der mächtigste Mann der Welt - die Biografie zu Xi Jinping

Stefan Aust und Adrian Geiges recherchierten im innersten Zirkel des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Daraus entstand eine beeindruckend klare Biografie. Ronald Wendorf sprach mit Adrian Geiges:

 © Piper Verlag

Ronald Wendorf: Wer ist Xi Jinping?

Adrian Geiges: Er ist der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas und der Präsident Chinas. Das erste ist wichtiger als das zweite, da in sozialistischen Ländern die führende Rolle der Partei gilt, wie sie auch in der chinesischen Verfassung verankert wurde. Das heißt die Partei steht immer über dem Staat. Daher ist es eine Formalität, dass der Parteichef auch der Staatschef wird. Er ist der mächtigste Mann des zunehmend mächtigsten Land der Erde.


RW: Wie ist Xi Jinping zum mächtigsten Mann in der kommunistischen Partei geworden?

AG: Er hat zum einen gute Voraussetzungen gehabt. Denn als Sohn eines Parteiführers der ersten Generation ist er ein sogenannter Prinzling. Sein Vater machte den Langen Marsch, den Gründungsmysthos der chinesischen Volksrepublik, mit. Zum anderem ruhte er sich nicht auf seiner Herkunft aus, sondern er ist ganz bewusst den Weg von der Pike auf gegangen. Er begann als Dorfparteisekretär und stieg in immer höhere Positionen auf. Er kennt den Parteiapparat durch und durch, und wurde damit im Sinne der kommunistischen Partei perfekt qualifiziert, das Land zu führen.


RW: In diesem Zusammenhang beschreiben Sie mir den Ort Yan‘an.

AG: Das war der Endpunkt des Langen Marsches und dann das Hauptquartier der Kommunisten im Bürgerkrieg ein Löss-Plateau in 960 Metern Höhe. Dort war die gesamte Parteiführung versammelt wie Mao Zedong und eben auch der Vater von Xi Jinping Xi Zhongxun. Das muss man sich vorstellen, als ob eine kleine Dorfclique plötzlich ein Land mit fast 1 Milliarde Menschen anfängt zu führen. Sie kannten sich untereinander und hatten ihre Intrigen miteinander, aber sie kannten sich damit und dadurch sehr, sehr gut.


RW: Für welche Überzeugungen steht Xi Jinping?

AG: Er steht für die Überzeugung, dass China nach den Jahrhunderten der Demütigung der Kolonialmächte wieder zu einem starken Land gemacht werden muss. Das war China in seiner langen Geschichte bereits. China war über Jahrtausende das führende Land der Erde. Das möchte er wiederherstellen. Jedoch mit der Idee, dass dies am besten mit einer straff geführten kommunistischen Partei geschieht. Diese dürfe eben nicht durch irgendwelche freiheitlichen, demokratischen Gedanken irritiert werden.

Adrian Geiges und Ronald Wendorf im Hotel Fontenay | Bild © Stefan Aust


RW: Straffe Führung klingt sehr nach Mao. Wie viel Mao ist in ihm?

AG: Es ist sehr viel Mao in ihm. Aber es ist auch sehr viel Lenin und Stalin in ihm. Aber das Interessante ist, dass er sich zum neuen Mao macht. Unmittelbar vor ihm herrschten Parteiführer, die kein besonderes Charisma hatten. Zudem wussten sie um die Verbrechen Maos und betrieben trotzdem den Kult um Mao, um weiterhin eine Identifikationsfigur anzubieten. Xi Jinping macht sich aber durch den Kult, den er um sich selbst inszenieren lässt, selbst zu Identifikationsfigur. Er beruft sich zwar auf Mao, aber er zitiert ihn wie man auch mal Konfuzius zitiert. Mittlerweile wurde in die chinesischen Grundschulen eingeführt, die Gedanken Xi Jinpings zu studieren.


RW: Xi Jinping sieht sich also einerseits in einer Linie mit Mao und anderseits als neuer Herrscher. Das ist das Persönliche. Wie ist es mit der Neuen Ökonomischen Politik, wie sie Lenin in den 1920er Jahren der Sowjetunion etablierte. Wie ist Xi Jinpings Beziehung zur Wirtschaft?

AG: Das ist eine sehr gute Frage. Eigentlich sind die wirtschaftlichen Erfolge, die China in den letzten Jahrzehnten hatte, nicht dem Sozialismus zu verdanken. Deng Xiaoping öffnete unter Beibehaltung der kommunistischen Führung die Märkte sowohl für die Einheimischen, die Restaurants bis hin zu Internetunternehmen gründeten, als auch für ausländische Investoren wie Siemens oder VW. Xi Jinping sagt zwar in Worten, dass er an Gaige Kaifang, also der Reform und Öffnung, festhalten möchte. De facto hat er gerade in den letzten Monaten angefangen es zurückzudrehen. Im Moment gibt es einen Crackdown gegen die reichen Unternehmer. Die spannende Frage wird sein, was das für Chinas Zukunft heißt? Xi Jinpings Position scheint zu sein, dass die wirtschaftliche Kraft so groß ist, dass diese Maßnahmen dem Land gar nicht schaden könnten. Die Gefahr für die kommunistische Partei Chinas ist, dass sie möglicherweise den gewachsenen, wirtschaftlichen Vorteil verlieren könne. Die derzeitige Börse ist nicht mehr so stark.

 

RW: Welche Konfliktpotenziale stecken in der kapitalistischen Wirtschaft für die kommunistische Partei? Wann wird es brenzlig?

AG: Das hat Xi Jinping klug erkannt. Brenzlig wird es, wenn die Unterschiede in der Vermögensverteilung, die Umweltbelastungen und die Korruption weiter steigen. Das hat er durchaus richtig als Gefahr für die Kommunistische Partei erkannt. Das ist der Grund, warum er manche der wirtschaftlichen Öffnungen zurücknahm und den Nationalismus stärker fördert. So lassen sich Rückschläge besser abfedern.

 

RW: Was ist der gemeinsame Nenner zwischen Volk und Partei?

AG: Seit 1978 war der gemeinsame Nenner, dass es den Leuten von Jahr zu Jahr deutlich besser ging und im Gegenzug protestierte die große Mehrheit der Leute nicht. Man hatte sich eingefügt. Mit dem Hintergedanken, dass es für den wirtschaftlichen Aufwärtstrend keine Garantie gäbe, reicht es Xi Jinping nicht, dass die Leute unpolitisch sind. Denn der Nationalismus soll gerade über mögliche wirtschaftliche Schwächen hinweg miteinander verbinden. Xi Jinping möchte, dass die Leute wieder gläubig mit dabei sind.


RW: Wie guckt Xi Jinping auf Europa?

AG: Er geht davon aus, dass der Westen, vor allem die USA, die Hegemonie über die Welt gehabt haben. Diese hat China brechen können, und mittlerweile geht es nicht mehr um Augenhöhe. China versucht andere Länder in einer Abhängigkeit zu halten um diese nicht gegen chinesische Interessen laufen zu lassen. Ganz konkret sah man das bei der Vergabe des Friedensnobelpreises. Anschließend wurden weniger Waren aus Norwegen gekauft. Als aus Australien Kritik an China kam, kauften die Chinesen keine Kohle mehr als Australien. Unter Deng Xiaoping hat sich China international zurückgehalten. Das hatte sich jetzt geändert. China möchte diktieren.


RW: Was sollte man gelesen haben um das gegenwärtige China zu verstehen?



Adrian Geiges' Leseempfehlungen:

Stefan Aust, Adrian Geiges: Xi Jinping. Der mächtigste Mann der Welt 288 Seiten, 22 Euro

Jung Chang: Wilde Schwäne. Die Frauen meiner Familie. Eine Geschichte aus China im 20. Jahrhundert 752 Seiten, 12,99 Euro

Jung Chang. Jon Halliday: Mao. Das Leben eines Mannes. Das Schicksal eines Volkes 974 Seiten, 22 Euro

Kai Strittmatter: Die Neuerfindung der Diktatur. Wie China den digitalen Überwachungsstaat aufbaut und uns damit herausfordert 336 Seiten, 12 Euro

Kai Strittmatter: Gebrauchsanweisung für China 272 Seiten, 10 Euro

Hong Ying: Tochter des großen Stromes. Roman meines Lebens 315 Seiten, 19,90 Euro

Lianke Yan: Dem Volke dienen 229 Seiten, 10 Euro


Stefan Aust | Adrian Geiges | Ronald Wendorf

Mittwoch, 1. September 2021

Max Liebermanns 'Sommerfrische' vom 16.8.-18.9.2021

In unserer aktuellen Ausstellung zeigen wir ausgewählte Werke von Max Liebermann (1847-1914), Wegbereiter der Moderne. 

Mit seiner zeitlosen Ästhetik führt er uns das süße Leben und eine moderne Frische vor Augen. Die Heiterkeit der bürgerlichen Freizeitgestaltung findet ab Mitte der 1890er Jahre Einzug in sein Oeuvre.

Mit Sommerfrische knüpfen wir bei Felix Jud an die Tradition an, Arbeiten von Max Liebermann auszustellen. 2011 präsentierten wir von ihm das Selbstbildnis im Anzug. Zudem wurde der Briefwechsel zwischen Max Liebermann und Alfred Lichtwark von den beiden prominenten Gästen: Hubertus Gaßner und Daniel Richter gelesen.

Max Liebermann | Schiffe auf der Außenalster, undatiert
Pastell auf Papier; 12,4 x 19,7 cm, signiert



Durch die enge Freundschaft mit seinem Förderer Alfred Lichtwark, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, besucht Liebermann ab 1890 die Hansestadt mehrfach. Fasziniert von der exquisiten Schönheit der Stadt sowie des hanseatischen Lebensstils schafft Liebermann Pastelle von höchster Lebendigkeit wie Die Schiffe auf der Außenalster. Mit dem Spiel aus Licht und Farben experimentiert er jahrelang überaus eindrucksvoll.


Max Liebermann | Spiel im Garten  Maria, die Enkelin des Künstlers
mit der Kinderfrau und dem Dackel ihrer Großeltern am Wannsee, circa 1920
Tusche auf Papier | 12,4 x 17,5 cm, signiert


Die Liebe zu Hamburg verführt ihn, sich einen Landsitz im Stil der Hamburger Patriziervillen am Wannsee errichten zu lassen. Die Sommerresidenz wird Liebermanns ländliches Refugium, in das sich der vielbeschäftigte Maler gern zurückzieht. Während der Sommeraufenthalte entsteht eine Vielzahl von Skizzen, die das private Leben der Familie veranschaulichen. Der kleine Kreis, bestehend aus Max Liebermann, seiner Ehefrau Martha und der Tochter Käthe, wird 1917 durch die Geburt der Enkeltochter Maria erweitert. In einer ganzen Serie von Bildern beobachtet Liebermann die Entwicklung seiner Enkeltochter und hält die Natürlichkeit und das unbefangene, in sich selbst versunkene Spielen fest.


Max Liebermann | am Tisch, ca. 1905-1911
Pastell auf Papier | 14 x 22 cm, siginiert


Gartenlokale sind das Motiv, das Liebermann zum Impressionisten werden lässt. Typisch dafür sind ein skizzenhafter Farbauftrag und die Reduzierung des Dargestellten auf wenige Details. Bei dem hier in virtuoser Art als Pastell festgehaltenen Ausflugslokal handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um De Oude Vink (Der alte Fink), eine der damals beliebtesten Caféterrassen Hollands. Sie befand sich am südwestlichen Stadtrand Leidens, in prächtiger Lage, wo an einer Biegung der Korte Vliet-Kanal in den Rhein mündet.


Max Liebermann | Reiter am Meer, ca. 1908
Tusche auf Papier; 8,7 x 14,5 cm, signiert


Als Gymnasiast absolviert Liebermann 1862 mehrere private Zeichenkurse bei dem renommierten Pferdemaler Karl Steffeck. Das Sujet von Pferden und Reitern findet sich fortlaufend in Liebermanns Studien. Dabei spielt immer wieder die Eleganz des Reitens in der Beherrschung des Rosses und der daraus resultierenden Repräsentation von Haltung eine wichtige Rolle. 


Max Liebermann | Strandszene in Noordwijk, 1908
Pastell auf Papier; 12,5 x 19,5 cm, signiert


Wie schon seit vielen Jahren verbringt Max Liebermann auch 1908 den Sommer im holländischen Noordwijk. Hier malt er eine Serie seiner besten Strandbilder direkt vor der Natur. Dabei kommt Liebermann beim Skizzieren in Pastell, seinem Ideal, einer unmittelbar aus der sinnlichen Wahrnehmung schöpfenden künstlerischen Form am nächsten.


Unser vollständiges Angebot von Max Liebermann Werken

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Regina Scheer: Max Liebermann erzählt aus seinem Leben, m. Audio-CD 95 Seiten, 16,90 Euro


Frauke Berchtig: Max Liebermann. Eine Biografie in Bildern 96 Seiten, 19,80 Euro

Gloria Köpnick: Max Liebermanns Garten 52 Seiten, 14 Euro

Anke Albrecht: Gärten der Künstler 224 Seiten, 36 Euro



Annika Sprünker | Ronald Wendorf